05. August 2022

Studie: So kommt Deutschland ohne russisches Gas durch den Winter Studie: So kommt Deutschland ohne russisches Gas durch den Winter

?konomen der Uni Bonn aktualisieren ihre Studie zu den wirtschaftlichen Folgen eines Importstopps

Die deutsche Wirtschaft k?nnte einen sofortigen Stopp russischer Gaslieferungen mit den richtigen wirtschaftspolitischen Ma?nahmen auffangen und ohne russisches Gas durch den Winter kommen. Deutschland muss seinen Gasverbrauch bis zum Ende der kommenden Heizperiode um etwa 25 Prozent reduzieren. Wie das zu schaffen ist, zeigt eine Studie des Teams um Prof. Dr. Moritz Schularick und Prof. Dr. Moritz Kuhn, Mitglieder des Exzellenzclusters ECONtribute der Universit?ten Bonn und K?ln. Laut der aktualisierten Sch?tzung w?ren die ?konomischen Kosten einer solchen Reduktion ?hnlich hoch wie bei einem Energieembargo im Frühjahr. Die Studie ist als ?ECONtribute Policy Brief“ erschienen.

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Die Forschenden gehen in ihren Berechnungen davon aus, dass die deutschen Gasspeicher zu jedem Zeitpunkt zu 20 Prozent gefüllt sein sollten, um einen Puffer für einen kalten Winter oder weitere Lieferunterbrechungen zu haben. Um das zu schaffen, müsste Deutschland seinen Gasverbrauch bis zum Ende der kommenden Heizperiode um etwa 25 Prozent reduzieren – selbst, wenn die neuen Flüssiggasterminals im Winter wie geplant in 365体育备用网址 gehen und Gas aus Drittl?ndern importiert wird. Nutzen Stromversorger statt Gas alternative Energiequellen (zum Beispiel Braun- und Steinkohle), bleibt eine Gaslücke von knapp unter 20 Prozent, die Industrie, Gewerbe, Haushalte und der ?ffentliche Sektor einsparen müssen.

?Die Kosten werden weiterhin in der gleichen Gr??enordnung liegen, wie im M?rz prognostiziert“, sagt Moritz Schularick, Professor beim Exzellenzcluster ECONtribute an der Universit?t Bonn. Bereits im Frühjahr hatte das Team anhand eines makro?konomischen Modells berechnet, welche wirtschaftlichen Folgen ein Stopp russischer Energieimporte h?tte und die Ergebnisse mit den Daten zum deutschen Energieverbrauch kombiniert.

Gasnachfrage nicht ausreichend reduziert

Zwar seien die Speicher heute um gut 100 Terawattstunden mehr gefüllt, als sie es im Falle eines Embargos im Frühjahr gewesen w?ren, hei?t es in der Studie. Die Gasnachfrage sei bisher aber nicht ausreichend zurückgegangen, und es bleibe weniger Zeit für die Anpassung.

H?tte Deutschland bereits im April ohne russisches Gas auskommen müssen, h?tte die Nachfrage um 31 Prozent reduziert werden müssen, also um sechs Prozentpunkte mehr. Dafür w?re mehr Zeit gewesen, um Gas in der Stromerzeugung, Geb?udeheizung und Industrie zu ersetzen. Den Gasverbrauch für die kommende Heizperiode jetzt noch um knapp ein Fünftel zu reduzieren, sei machbar, aber mit ?konomischen Kosten verbunden, so die Forscher.

Wirtschaftspolitische Anreize zum Gas sparen fehlen

Produktionen würden ausfallen, prim?r in der chemischen Industrie. Allerdings zeigten Unternehmen wie BASF, dass es m?glich ist, Gas teilweise zu ersetzen. ?Deutschland kommt ohne russisches Gas durch den Winter, Panikmache ist fehl am Platz“, sagt Schularick.

Notwendig seien wirtschaftspolitische Ma?nahmen, die zum Gas sparen motivieren. Die Forscher schlagen zum Beispiel eine Gassteuer vor, die sparsame Verbraucher über eine Rückerstattung belohnt. ?Die Politik hat es bisher verpasst, genügend Anreize zum Gas sparen zu setzen“, sagt Schularick. Wichtig seien au?erdem Ma?nahmen zum Einsparen von Heizenergie im Gewerbe, etwa durch Homeoffice oder ver?nderte Laden?ffnungszeiten.

Positiv betonen die Forschenden den Fortschritt beim Bau neuer Flüssiggasterminals und den deutlich gesunkenen Importanteil russischen Gases durch zus?tzliche Gasimporte aus Drittl?ndern.

ECONtribute: Einziger wirtschaftswissenschaftlicher Exzellenzcluster

Die Studie ist unter anderem im Rahmen von ECONtribute entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gef?rderten Exzellenzcluster – getragen von den Universit?ten in Bonn und K?ln. Der Cluster forscht zu M?rkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ziel von ECONtribute ist es, M?rkte besser zu verstehen und eine grundlegend neue Herangehensweise für die Analyse von Marktversagen zu finden, die den sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit, wie zunehmender Ungleichheit und politischer Polarisierung oder globalen Finanzkrisen, gerecht wird.

Publikation: Rüdiger Bachmann, David Baqaee, Christian Bayer, Moritz Kuhn, Andreas L?schel, Ben McWilliams, Benjamin Moll, Andreas Peichl, Karen Pittel, Moritz Schularick, Georg Zachmann: Wie es zu schaffen ist, Internet: https://www.econtribute.de/RePEc/ajk/ajkpbs/ECONtribute_PB_034_2022.pdf

Prof. Dr. Moritz Schularick
ECONtribute, Universit?t Bonn
Tel. +49 228 73-7976
schularick@uni-bonn.de

Prof. Dr. Moritz Kuhn
ECONtribute, Universit?t Bonn
Tel. +49 228 73-62096
mokuhn@uni-bonn.de

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